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PRE-START

#0 REISEGEPÄCK

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REISEGEPÄCK

BACKPACK

GREGORY

GEWICHT.

13 KG MAX 15 KG

INHALT

KAMERA, MIKROFON

ZIEL

MINIMALISMUS

Der echte Reisende ist immer ein Landstreicher, mit den Freuden und Versuchungen und der Abenteuerlust.
Konfuzius

DAS THEMA »SOLO-REISEN«

Das Solo-Reisen hat im europäischen Raum einen schlechten Ruf. Gesellschaftliche Prägungen sehen die Familie als 'Optimum', und Solo als 'Suboptimum' an.

Der Kapitalismus lebt von familiären Konstrukten. Im Kontext Reisen sind das  beispielsweise Ferienwohnungen, Souvenirs, Pauschalreisen, Flüge.

 

Das sich Allein-Reisende nicht leisten können, oder viel mehr, sich nicht leisten wollen.

Das Solo-Reisen wird meiner Meinung nach unterschätzt. An vielen (oder an fast allen) Stellen, mangelt es an der richtigen Infrastruktur, die benötigt wird, um als Allein-Reisende von A nach B zu kommen. Insbesondere auf dem Land. Dennoch kann mit der richtigen Organisation und der intrensischen Reiselust ein einmaliges Erlebnis entstehen. Auf das ich euch gerne mitnehmen möchte.

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PODCAST

SOLO TRAVEL

SOLO-REISEN

Es stimmt. Das Solo-Reisen ist eine Riesenherausforderung, die viel Mut kostet. Nämlich sich alleine auf den Weg in das Ungewisse machen.
Die Reise selbst in die Hand nehmen. Die Route, die Unterkünfte, die Verkehrsmittel, die Ausflüge – alles – selbst zu planen. Ohne die Bestätigung einer zweiten Person. 

Die Verantwortung lastet auf einem allein. Ich glaube, das ist, das viele Menschen von einer Solo-Reise abhält. Ein Bewusstsein zu entwickeln dafür, für jede einzelne Entscheidung selbst verantwortlich zu sein, ist, woraus ich meine Stärke ziehe.
Eine falsche Entscheidung kann meiner Meinung nach eine Reise sogar prägen. Die Richtung verändern, wegweisend sein. Wenn sie unvorhergesehen, plötzlich und unerwartet auftritt. Daraus können Momente entstehen, wie wunderbare Begegnungen mit Menschen beispielsweise. 

//Anekdote
Im Jahr 2015 buchte ich einen falschen Rückflug von Hobart in Tasmanien nach Sydney. Das lag insbesondere an dem schlechten Wifii im Hostel. Ich erinnere mich, wie ich auf einem alten Sessel in der Hostellobby saß und die Website auf meinem iPad mehrmals aktualisieren musste. Als die Buchung nach mehreren Versuchen schließlich durchging, war zwar der Flug gebucht, jedoch, wie sich später herausstellen sollte, zu den falschen Reisedaten.
Zudem bemerkte ich dieses Missgeschick einen Tag bevor ich den Rückflug antreten wollte. Also buchte ich kurzerhand einen neuen Flug – der alte konnte nicht mehr storniert werden – und blieb vier zusätzliche Tage in Hobart, und auf meinen zusätzlichen Reisekosten sitzen.

Wo ich mir zu anfangs den Kopf darüber zerbrach, wie mir derlei passieren konnte, begann ich langsam das Beste aus der neuen Situation zu machen. Nach einer kurzen Recherche fand ich für drei Tage eine Familie in Hobart, bei der ich 'Wwoofen' konnte. Wwoofing bedeutet, kleinere Garten- oder Hausarbeiten zu machen und dafür Kost und Logis umsonst zu bekommen. 
Diese vier Tage sind meine schönste Erinnerung an Hobart. Das ältere Ehepaar wohnte in einem von dem Host selbst designten Haus, das kürzlich erst fertig wurde und nur aus Kurven besteht. Ich hatte ein wunderschönes Einzelzimmer und ein eigenes Bad zur Verfügung und die Terrasse reichte Meterweit um das Haus herum, und schwebte sozusagen über dem üppigen Regenwald Tasmaniens. Dieses Reiseerlebnis werde ich niemals vergessen, und, es ist durch eine falsche Reisebuchung entstanden.

Zurück zum Solo-Reisen. Jede Entscheidung muss von einem selbst getroffen werden. Und die Verantwortung von einem selbst getragen werden.
Funktioniert etwas nicht wie geplant, kann die Schuld an niemandem abgeladen werden. Das ist, wenn ich an meine eigenen Grenzen gerate und von denen ich am meisten lerne.

//Anekdote II
Eine Tankstelle mitten in der Nacht im Outback, irgendwo südwestlich von Australien. Die roten Rücklichter des Grehyound-Buses verschwinden in der schwarzen Nacht, die Sterne klitzern in dem wolkenfreien Himmel. Na super, denke ich. Darüber freue ich mich nicht. Es ist kein Mensch weit und breit zu sehen. Ich bin als einzige Reisende aus dem Bus gestiegen.
In dem Moment tauchen Lichter auf der anderen Straßenseite auf, die gelben Lichter eines größeren Autos. Es fährt auf den Parkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein und bleibt stehen.

Mir rutscht das Herz in die Hose. Sollte es sich nicht um meine Gastmutter handeln, bin ich nun ganz alleine mit – im schlimmsten Fall – einem wildfremden Mann mitten im Outback. Die Person öffnet die Fahrertür. Noch kann ich das Gesicht nicht erkennen, doch der Körper wirkt weiblich. Es kostet mich viel Mut auf die andere Straßenseite zu laufen und einer wildfremden Person gegenüberzutreten, mit der ich bisher lediglich ein paar Nachrichten ausgetauscht habe. Ich blicke in das freudestrahlende Gesicht von der Australierin Jaylene. Und mit einem Schlag sind all meine Zweifel vergessen.
»There you're! Is this the usual time when you arrive in Australia?«, sagt sie. Ich lache. »No! Usually I arrive at daytime!«, sage ich und bin erleichtert.

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FLUG

DESTINATION.

FRANKFURT – VANCOUVER

FLUGGESELLSCHAFT

CONDOR

HIGHLIGHTS

SITZNACHBARIN FORSCHERIN

KURZ VOR ABFLUG

Mit jedem Kilometer, den der ICE dem Frankfurter Flughafen näher kommt, lässt meine innere Anspannung nach. Die innere Anspannung weicht einem seichten Rauschen, das angenehm leise vor sich hin driftet.
Die Anspannung besteht aus Gedanken, die im Kopf ihre Kreise ziehen.
- Die Reise finde zu einem völlig falschen Zeitpunkt statt
- Das Solo-Reisen sei eine schlechte Idee
- Die Menge an Geld, die mich diese Reisen kostet, sei es nicht wert

Das ist die Reisepanik, sie ist im Großen und Ganzen: normal, denke ich.
Nur, sie fühlt sich im Moment alles andere als normal an!
Es ist einer dieser Momente, in denen ich wieder mal darüber nachdenke, umzudrehen. Gehen Sie drei Schritte zurück, ziehen Sie nicht über Los!
Ich will zurück in die Komfortzone. Auf der Stelle! 

Nur: Im Moment sitze ich in einem ICE in Richtung Frankfurt. Und der denkt nicht ans Umdrehen. Der gleitet mir, außerdem, für meinen derzeitigen  körperlichen Zustand, viel zu schnell in die Richtung, die mir Angst macht. Anja allein in Amerika!

Mein Körper empfindet die 200 km/h  des Zuges als unnatürlich. Er signalisiert mir, von dem Ausgleich des Ohrendrucks genervt zu sein und Übelkeit zu verspüren. 
Mein Auge beginnt einen Fixpunkt zu finden, an dem es sich festhalten kann. Doch die Bäume, die Felder, die Häuser rauschen vorbei – wie ein aus dem Rythmus gekommener Film.

Eigentlich reise ich gerne mit dem Zug. Ich mag es, wenn der Zug langsam und gemächlich vor sich hin ruckelt… Mein Körper jeden einzelnen Kilometer in all seinen Facetten in sich aufnehmen kann.

»Nächster Halt: Flughafen«. Die Ankunft des Zuges erscheint mir – wie so oft – doch sehr plötzlich.
Sobald ich meinen Fuß in die Ankunftshalle des Flughafens setze, beginnt mein Körper zu blockieren. 
Dann ist sie da: die Beklemmung. Meine Augen blicken panisch hin- und her, irgendwo zwischen Lichtern, Menschenmassen, an mir vorbei rasenden Bewegungen der Menschen, die Geräusche. Und wieder sendet mein Körper Signale an mein Gehirn: Flucht! Reizüberflutung. Stillstand. Weg hier. 
 
Manchmal erscheint mir das Fliegen wie eine Massenabfertigung der Menschen, die in einer Halle nah beieinander gefangen sind, und nicht weg können. Wie Sardinen, zusammengequetscht in einem Flugzeug. Das Flugzeug hat keinen Rythmus. Es fliegt über Ländergrenzen hinweg, man verliert das Gefühl von Raum und Zeit.

Nachdem ich mich eine Weile auf einer Bank in der Ankunftshalle ausgeruht habe, beginne ich mich auf die Suche nach meinem Schalter zu machen – das Verlaufen auf dem Flughafen bleibt unerwähnt –.

Dort angekommen registriere ich erfreut, offensichtlich ein ‚Premium‘ bei der Fluggesellschaft gebucht zu haben, was mir bis dato gar nicht aufgefallen war. Erleichtert atme ich langsam aus.  
Damit bleibt mir das lange Warten in der Warteschlange am Check In-Schalter erspart, ich kann mein Gepäck sofort einchecken und habe dazu auf meinem Flug jede Menge Beinfreiheit. Wenn das nicht mal ein guter Start ist!, denke ich. 

 

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